Fokusthema: Bimodale IT

BIMODALE IT – MIT DER DIGITALISIERUNG SCHRITT HALTEN

Aktuell beobachten wir Entwicklungen, die vor ein paar Jahren undenkbar waren: Uber, das weltweit größte Taxi-Unternehmen, besitzt keine Autos. Facebook, der weltweit beliebteste Anbieter von Medien und Content, erzeugt keinen Content und Airbnb, der weltweit größte Wohnungsanbieter, besitzt keine Immobilien. Die Digitale Transformation verändert alles. Denn die Möglichkeiten und Potenziale digitaler Medien und des Internets erschüttern das Fundament jedes Unternehmens. Eine besondere Rolle spielt dabei die IT, die gleichzeitig agil, flexibel und effizient sein muss.

Die geforderte Flexibilität und Reaktionsschnelligkeit zeigt sich jedoch aktuell noch nicht an vielen Stellen. Denn viele renommierte Unternehmen, beispielsweise aus der Banken-, Versicherungs- oder Reisebranche, können IT-seitig mit dem digitalen Wandel nicht Schritt halten. Historisch gewachsene und langlebige IT-Systeme stehen ihnen dabei im Weg. „Mit Innovationszyklen von teilweise fünf oder mehr Jahren können etablierte Unternehmen mit den rasanten Marktveränderungen nicht mithalten“, erläutert Michael Gomolka, Partner bei der Business- und IT-Beratung Q_PERIOR. „Unternehmen kommen daher nicht umher, neue Grundlagen in der IT-Architektur zu schaffen.“

Anforderungen an die IT im Rahmen der Digitalisierung

Zweiteilung der IT in scheinbare Gegensätze

Die Anforderungen sind also mannigfaltig, das Budget häufig beschränkt. Ein kompletter Umbau der IT ist daher meist nicht finanzierbar. Einen Ausweg bietet in vielen Fällen eine Zweiteilung der IT, das heißt eine Teilung in zwei scheinbar gegensätzliche Modi. Diese beiden Modi haben dabei ganz unterschiedliche Geschwindigkeiten und Ziele. Sie werden parallel eingesetzt, um den Spagat zwischen der Forderung nach einem zuverlässigen, auf Betriebssicherheit ausgelegten Kernsystem einerseits und dem Wunsch nach einer stärker kundenorientierten und agilen IT andererseits zu vollbringen. Modus 1 („Traditionell und Sequentiell“) zeichnet sich durch lineare Durchführung aus, ist planungs- und kostengetrieben und verfügt über eine ausgereifte Technologie mit langem Lebenszyklus. Modus 2 („Schlank und Erforschend“) ist dagegen agil und iterativ, hat vergleichsweise kurze Zyklen von oft nur einem Monat und verfolgt in Teilen ein unbekanntes Endergebnis. Wesentlich für den Erfolg dieses Ansatzes ist das Verständnis, dass beide Modi unbedingt zusammengehören und in einer Wechselwirkung zueinanderstehen. So bildet Modus 1 die Basis für eine erfolgreiche Umsetzung von Modus 2.

Bimodal – und dann?

Eine Umstellung der IT in Richtung Bimodalität bringt weitreichende Veränderungen im Unternehmen mit sich. Denn derartige Vorhaben haben nicht nur Auswirkungen auf die IT eines Unternehmens, sondern auch auf die Organisation, Kultur sowie auf sämtliche Unternehmensprozesse. Auch die tägliche Zusammenarbeit zwischen IT und Fachabteilungen ist davon betroffen. „Die Vorteile einer bimodalen IT können nur dann voll ausgeschöpft werden, wenn neben den IT-seitigen Veränderungen agile Rahmenbedingungen geschaffen werden“, erklärt Michael Gomolka. „Dazu gehören beispielsweise die Ausbildung eines agilen Mindsets, die langfristige Umsetzung von Lern- und Veränderungsprozessen sowie die Prüfung und Anpassung bestehender Rollen und Verantwortlichkeiten.“

Hat sich ein Unternehmen für die Einführung einer bimodalen IT entschieden, stehen verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten zur Wahl. So gibt es eine Vielzahl von Lösungsansätzen, die bimodale Performance eines Unternehmens zu verbessern. Die Möglichkeiten setzen dabei an verschiedenen Unternehmensbereichen an, wie beispielsweise dem Application Development, der Aufbau- und Ablauforganisation oder dem Sourcing. Die einzelnen Ansätze unterscheiden sich in ihrer Umsetzungsgeschwindigkeit, die kurz-, mittel- oder langfristig sein kann. Bemerkenswert dabei ist die Tatsache, dass sie eine unterschiedlich starke Hebelwirkung im Modus 2 haben. Dies kann als Hinweis dienen, welcher Ansatz in einem Unternehmen am besten eingeführt werden sollte. Welche Kombination an Maßnahmen dabei die beste ist, muss auf Basis der individuellen Unternehmenssituation sowie der bisherigen Erfahrungen erarbeitet werden. Grundsätzlich ist festzustellen, dass einige der unten genannten Methoden eine vergleichsweise hohe Hebelwirkung aufzeigen wie beispielsweise Agile Methoden oder Smart Sourcing.

Agile Methoden

Im Gegensatz zum klassischen Projektmanagement erlauben agile Methoden eine dynamische und flexible Herangehensweise an Projekte und eignen sich daher gut für das Management komplexer Situationen. Die iterative Umsetzung neu aufkommender Kundenanforderungen steht bei agilen Methoden im Fokus. Die Entwicklungszyklen sind entsprechend kurz. Aufgrund der schnellen Implementierung fließt schließlich weniger Zeit in die Konzeption und das Testing als bei einer klassischen Umsetzung.

Durch die Schwerpunkte Agilität, schnelle Umsetzbarkeit und Fokussierung auf Kundenanforderungen erfüllen agile Methoden optimal die Voraussetzung für den Modus 2 der bimodalen IT. Durch agile Methoden werden Prozesse flexibler und schlanker, sie müssen aber auch in konventionelle organisatorische Rahmenbedingungen eingebettet werden. Deswegen ist es wichtig, dass sich agile und klassische Methoden je nach Bedarf ergänzen. Dabei ist zu beachten, dass sich das agile Konzept auch im Mindset der Mitarbeiter etabliert. Eine Herausforderung, die nicht immer leicht zu meistern ist, da manche Mitarbeiter aufgrund von Überzeugungen oder Gewohnheiten einem agilen Ansatz eher ablehnend gegenüberstehen. Hierbei ist es wichtig, die Mitarbeiter mitzunehmen und an das Konzept agiler Methoden heranzuführen.

Unterschiedliche Gewichtungen bei agilen und klassischen Methoden

Smart Sourcing

Sourcing, ursprünglich ein Begriff aus der Materialwirtschaft, beschreibt die Strategie zur Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen eines Unternehmens. Mit Blick auf den IT-Bereich bezeichnet Smart Sourcing die Entscheidung, welche IT-Dienstleistungen am besten innerhalb eines Unternehmens und welche am besten von externen Dienstleistern erledigt werden. Gerade für die Umsetzung der bimodalen IT ist diese Entscheidung essentiell, um die richtigen Kapazitäten auf innovative und businessnahe Themen zu platzieren. Außerdem können durch die richtigen Sourcing-Maßnahmen der Talent Pool eines Unternehmens vergrößert sowie die Time-to-Market Phase verkürzt werden. Natürlich spielen hier auch Kostenaspekte keine unbedeutende Rolle. Voraussetzung für sinnvolles Smart Sourcing ist eine individuelle Betrachtung der jeweiligen Unternehmenssituation – sowohl aus interner als auch aus externer Sicht.

In der internen Maßnahmenrichtung geht es um die Analyse, welche Mitarbeiter in welchem Bereich am besten eingesetzt werden können. Dies dient dazu, die Kernkompetenzen eines Unternehmens zu stärken und idealerweise die Produktivität zu steigern. Zusätzlich können passende interne Ressourcen durch Internalisierung aufgebaut werden, insofern das mit angemessenen Kosten bei gleichzeitig hoher Qualität möglich ist.

Sind Leistungen jedoch nicht angemessen intern durchführbar, so ist die zweite – die externe – Maßnahmenrichtung zu prüfen. Welche Services können besser extern umgesetzt und somit nach außen verlagert werden? So können Nebenkompetenzen durch Dienstleister erledigt werden, die diese schneller, besser und günstiger umsetzen können. Verschiedene Optionen stehen hier zur Verfügung wie beispielsweise Outsourcing oder Offshoring beziehungsweise Nearshoring − eine Version des Offshoring, die die Verlagerung von Leistungen in nahegelegene Länder beschreibt und in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat.

Fazit

Mit der Digitalen Transformation haben sich die Anforderungen an Unternehmen in den letzten Jahren stark verändert. So gehen mit der zunehmenden Digitalisierung nicht nur neue Infrastrukturen, Big Data und das Internet der Dinge einher, sondern auch Agilität und Schnelligkeit. Um möglichst schnell auf die Anforderungen der immer mehr von Kunden bestimmten Märkte reagieren zu können, ist eine flexible IT essentiell. Die Einführung einer bimodalen IT ist also ein idealer Weg, um den Erfolgsfaktor Agilität im Unternehmen zu etablieren und somit langfristig erfolgreich zu bleiben.

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