Fokusthema: Regulatorik

KFZ-VERSICHERUNGEN: DIESE MÖGLICHKEITEN BIETET TELEMATIK

Die Telematik bietet Versicherern neue Möglichkeiten in der Beitragsermittlung. In Telematik-Tarifen wird der Versicherungsbeitrag nicht nur durch die bislang üblichen Tarifierungsmerkmale wie Fahrleistung, Typklasse und Schadenfreiheitsrabatt bestimmt, sondern vor allem durch die Auswertung des Fahrverhaltens. Bei nutzungsbasierten Kfz-Versicherungen werden das Ausmaß und die Art der Nutzung des Pkws gemessen und die gewonnenen Informationen anschließend zur Tarifierung verwendet. Je nach Ausprägung wird eine individuelle Prämie ermittelt. Bei der neuen Art der Tarifierung zahlen demnach vorsichtige Autofahrer geringere Beiträge als risikobereitere Fahrer.

Erforderlich zur Berechnung dieser Tarife ist die drahtlose Übertragung von Daten über größere räumliche Entfernungen, was durch die fortschreitende Digitalisierung möglich ist. Ausschlaggebend für die Entwicklung von Telematik-Tarifen sind unter anderem neue Technologien wie das ab 31. März 2018 verpflichtend in Neuwagen einzubauende elektronische Notrufsystem eCall. Ähnliche Technologien können Kfz-Versicherer – z.B. durch den Einbau eigener Telematik-Boxen im Fahrzeug – zur passgenaueren Prämienkalkulation durch Fahrverhaltensanalysen heranziehen.

Varianten der Telematik-Tarife

Bei nutzungsbasierten Kfz-Versicherungen unterscheidet man grundsätzlich zwei Varianten: Pay-As-You-Drive (PAYD) und Pay-How-You-Drive (PHYD). Bei PAYD-Tarifen wird die Fahrleistung über eine nachträglich installierte Telematik-Box ausgelesen und dieses bestehende Tarifierungsmerkmal somit lediglich valider abgefragt als zuvor. Bei PHYD-Tarifen hingegen stellt das Fahrverhalten die Grundlage der Tarifierung dar.

Die erfassten Telematik-Parameter lassen sich in zwei Gruppen einteilen:

  • Geschwindigkeit (ggf. Überschreitung)
  • Beschleunigungsverhalten
  • Bremsverhalten
  • Kurvenverhalten

= Individuelle Fahrweise

  • Wochentag
  • Uhrzeit
  • Straßentyp
  • Wetter
  • Bevölkerungsdichte

= Externe Einflüsse

Je nach Ausprägung dieser Merkmale erzielt der Versicherte dann unter Umständen Einsparungen in seinem Versicherungsbeitrag. So werden Fahrten auf Straßen mit tendenziell weniger Verkehrsteilnehmern bzw. Fahrten außerhalb der Rush-Hour als risikoärmer angesehen, wohingegen z.B. die Nutzung von bestimmten Landstraßen mit häufig auftretenden Nebelbänken als risikotreibend bewertet wird. Der Versicherer bestimmt die unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Bestandteile und errechnet daraus ein Gesamtergebnis. Die risikorelevante Bewertung geschieht z.B. über ein sogenanntes Scoring, bei dem Punkte für „gutes“ Verhalten vergeben werden und anschließend ein Gesamt-Score aus den Einzel-Scores ermittelt wird.

Ausgestaltungsmöglichkeiten für Versicherer

Prinzipiell haben Versicherer bei der Ausgestaltung der Tarife einige Wahlmöglichkeiten. Sie legen beispielsweise fest,

  • welche Informationen genau erfasst werden,
  • welche Ausprägungen als risikoreich bzw. risikoarm angesehen werden,
  • wie hoch der maximal erzielbare Rabatt ist
  • und vor allem wann dieser gewährt wird (zu Beginn einer Periode, auf Basis des Vorjahres oder am Ende einer Periode).

Die Kriterien, für die letztendlich Daten erfasst und ausgewertet werden, sollten eine Korrelation mit der Schadeneintrittswahrscheinlichkeit aufweisen, um damit dem Prinzip der verursachergemäßen Zurechnung von Leistungen besser zu entsprechen.

Nutzen von Telematik-Tarifen

Ein Ziel, das Versicherungsunternehmen bei den Telematik-Tarifen verfolgen, ist die Reduktion des Schadenausmaßes und der Schadenhäufigkeit durch die Beeinflussung des Risikoverhaltens der Versicherungsnehmer. Letztere können nur dann einen Rabatt in ihrer Versicherungsprämie erzielen, wenn sie sich durch sicheres, risikoarmes und somit weniger unfallanfälliges Fahrverhalten dafür qualifizieren. Neben dem Verhindern bzw. Abmildern der Schäden können Telematik-Konzepte auch dazu beitragen, sich unter dem Druck der Wettbewerber zu profilieren, neue Kundengruppen anzusprechen und dabei als strategische, zukunftsweisende Option in der Versicherungswirtschaft zu dienen. Weiterhin ermöglicht die neue Technologie, Unfalldaten in Echtzeit direkt an den Versicherer zu melden. Der Schadenregulierungsaufwand, z.B. für die Klärung der Unfallursache, – kann so durch Beschleunigung und Automatisierung des Prozesses signifikant reduziert werden. Eine Basis für eine akkuratere und effizientere Schadensabwicklung ist somit gewährleistet.

Nur mit ausreichendem Potenzial – z.B. durch einen monetären Mehrwert – lassen sich Anreize auf Kundenseite für Telematik-Tarife schaffen. Einfacher gesagt: Ein Kunde wird einen Wechsel von einem klassischen Tarif zu einem Telematik-Tarif nur dann vornehmen, wenn er glaubt, finanziell zu profitieren. Gerade für junge Fahrer, bei denen der Beitrag der Kfz-Versicherung tendenziell höher ist, könnten derartige Angebote interessant sein.

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9. Mai 2017|