Die Digitalisierung der Mobilität im Reich der Mitte

Die Digitalisierung der Mobilität im Reich der Mitte

Die Digitalisierung in all ihren Ausprägungen ist das Thema der vergangenen Jahre. Beim Durchstöbern der einschlägigen Magazine, Webseiten und Blogs bekommt man schnell den Eindruck, dass die USA und Europa dabei eine Führungsrolle einnehmen. Wirft man jedoch einen Blick ins Reich der Mitte, ergibt sich ein anderes Bild. So leitet Sascha Lobo in einer Spiegel Kolumne aus dem letzten Jahr mit folgendem Teaser ein:

„China ist digital höchst erfolgreich, nicht zuletzt wegen seiner autoritären Gesellschaftsform. In dem Land entsteht gerade unsere Zukunft – und wenn die nicht düster werden soll, muss sich in Deutschland etwas ändern.“

Die Einleitung ist mit Absicht etwas provokant gewählt. Ein kleines bisschen Wahrheit steckt jedoch trotzdem darin. War China vor einiger Zeit noch für seine Copycats bekannt, glänzt es heute mit zahlreichen eigenen digitalen Produkten und Dienstleistungen. Nicht zuletzt die großen Tech-Giganten Alibaba, Tencent und Baidu spielen dabei eine treibende Rolle. Auch der relativ schwach regulierte Markt, die niedrigen Einstiegsbarrieren und die Förderung der Regierung in Form von Beteiligungen und Entwicklungsplänen helfen dabei, die Digitalisierung mit eigenen Ideen voranzutreiben. Dienstleistungen, wie ein digitaler Verleih von Powerbanks, Regenschirmen, Fahrrädern oder E-Scootern, treffen genau den Nerv und die Bedürfnisse der chinesischen Konsumenten. Bezahlt werden diese Services natürlich fast immer digital mit AliPay.

Digitalisierung der Mobilität

In Zeiten der Dieselkriese und zaghaften Versuchen im Bereich der Elektromobilität in Deutschland, entwickelt sich China zum Vorreiter beim Thema innovative Mobilität. Das kommt nicht von ungefähr. Der Wandel hin zu innovativer, vernetzter und sauberer Mobilität ist von staatlicher Seite gewollt und angesichts von fast 1,4 Mrd. Einwohnern, einer immens hohen Luftverschmutzung in den reichen Ballungszentren und dem Ziel zur Hightech-Supermacht aufzusteigen, auch sinnvoll.

Chinas Städte sind dem Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen

Um die Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen, stehen alternative Antriebe hoch im Kurs. So schrieb die Süddeutsche Zeitung bereits vor einem Jahr, dass China in Sachen Elektromobilität der deutschen Automobilindustrie einen großen Schritt voraus sei. Neben massiven Investitionen in Batteriefabriken im ganzen Land wird auch die Elektromobilität durch Forschung und Förderung konsequent vorangetrieben. Ziel ist es, den Anteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen deutlich zu erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird auch die Infrastruktur ausgebaut und die Zulassungen für umweltschonende Fahrzeug begünstigt. Der Weg zum Weltmarktführer für umweltschonende Fortbewegung scheint eingeschlagen.

Mobilität ist mehr als Auto fahren

In Zeiten der Digitalisierung reicht es aber nicht, sich auf die reine Fortbewegung – ob klassisch selbst hinter dem Steuer oder gar autonom – zu fokussieren. Das Gesamtprodukt und der Mobilitätsmix sind essenziell. So zitiert t3n den früheren BMW Ingenieur und ehemalige Byton-Chef Carsten Breitfeld mit den Worten: „Das eigentliche Thema der Zukunft sind nicht Elektroautos“. Byton versucht die Vorteile einer globalisierten Welt zu nutzen. So kommen Design und Fahrzeugkonzept aus München, die Technologie aus dem Valley und Batterien inklusive Produktionsstandorte aus China. Die Volksrepublik ist mehrheitlich in Byton investiert und treibt das Projekt im eigenen Land durch großzügige Investitionen, günstige Rahmenbedingungen und staatliche Unterstützung voran. Breitfeld sieht das Fahrzeug dabei als komplett vernetzte Plattform und Unternehmen wie Byton als Mobilitätsanbieter, um die jede Menge neuer Geschäftsmodelle entstehen sollen.

Individuelle Mobilität auf dem Vormarsch

Neben Elektromobilität, autonomen Fahren und vernetzen Fahrzeugen werden App-basierte Mobilitätsdienste in Asien und der Volksrepublik sehr gut angenommen. Fast jeder Großstädter in China besitzt ein Smartphone, mit dem er sich binnen Minuten einen Fahrer bei Didi oder ein Fahrrad bei Ofo (Alibaba) und Mobike (Tencent) reservieren kann. Während früher Besitz enorm wichtig war, setzt sich das Konzept der Sharing Economy heute bei verschiedenen Zielgruppen immer stärker durch.

Wir stehen vor spannenden Zeiten in Sachen neu gedachter Mobilität. Das Wettrüsten der Automobilhersteller und der Technologiegiganten läuft bereits. Es lohnt sich, einen Blick nach China zu werfen und die dortigen Fortschritte zu beobachten – allerdings nicht ohne den Boom kritisch zu hinterfragen. Maßgeblichen Anteil an der rasanten Entwicklung hat die Aufgeschlossenheit der chinesischen Gesellschaft gegenüber neuen Technologien und digitalen Diensten. Doch auch die Haltung in Hinblick auf den Datenschutz unterscheidet sich grundlegend von den europäischen Standards. Beides sind Faktoren, die einen guten Nährboden für die rasante Entwicklung innovative Dienste im Reich der Mitte schaffen, so aber nicht unmittelbar auf andere Teile der Welt übertragen werden können. Die Herausforderung wird daher sein, neuen Technologien zu entwickeln, die auf genügend Akzeptanz stoßen und zugleich praktische Lösungen für die Mobilitätsherausforderungen der Zukunft bieten.

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