Mobility-on-Demand – Lösung oder Risiko in der Mobilitätswende?

Mobility-on-Demand – Lösung oder Risiko in der Mobilitätswende?

Der Mobilitätsmarkt wandelt sich grundlegend und in rasantem Tempo. Jeden Tag erscheinen neue Angebote, Services und Technologien, welche die Mobilität revolutionieren sollen. Erst kürzlich haben E-Scooter den Markt erobert. Immer neue Mobilitätsplattformen bieten multimodale Informationen und zunehmend auch Buchungsmöglichkeiten. Car und Bike Sharing sind fast schon alte Hasen und trotzdem sind sie Teil einer neuen Mobilitätskultur, in der das Auto eine Rolle spielt – aber eben nicht mehr die einzige. Der Trend geht zu immer mehr Flexibilität und Individualisierungsmöglichkeiten in der Mobilität, aber auch zu Umweltfreundlichkeit und Komfort. Die Menschen fordern diese ein, neue digitale Angebote und Services machen es möglich und unser Verkehrssystem, das in einer Krise steckt, macht sie notwendig. Denn unser Verkehrssystem braucht Lösungen, die den Verkehr effizient gestalten, Raum besser ausnutzen und die Lebensqualität in der Stadt und auf dem Land sicherstellen. In Ballungszentren und auf stark frequentierten Strecken ist ein attraktiver ÖPNV aus Bus und Bahn ein richtiger Ansatz. In peripheren Gebieten und zu Randzeiten stößt dieser jedoch an seine Grenzen, weil die Nachfrage nicht groß genug ist, um ein attraktives Angebot bereitzustellen.

Das Resultat ist ein geringes Mobilitätsangebot zu bestimmten Zeiten oder in bestimmten Gebieten, wodurch das Auto zu einem zentralen Fortbewegungsmittel wird. In Pendlerhochburgen führt das dazu, dass ca. 70 % der täglichen Einpendler mit dem Auto fahren. In Frankfurt oder München pendeln beispielsweise täglich knapp 400.000 Menschen morgens ein und abends aus. Das macht rund 280.000 pendelnde Autofahrer morgens und abends, die immense Staus und Emissionen verursachen. Doch wie könnte die Lösung für dieses Problem aussehen? Es muss eine Mobilität ermöglicht werden, die keine Staus verursacht und damit auch unabhängig vom eigenen Auto ist.

Mobility-on-Demand heißt das neue Patentrezept gegen Staus in Deutschlands Ballungsräumen und für flexible und moderne Mobilität. Doch was steckt eigentlich dahinter? Wie viel Potenzial birgt es wirklich und vor allem für wen?

Mobility-on-Demand – Weniger Fahrplan, mehr Flexibilität

Mobility-on-Demand ist keine neue Idee. Jedoch profitiert das Konzept von der Digitalisierung und der zunehmenden Verbreitung von Smartphones, denn so können Kunde und Anbieter in kürzester Zeit in Kontakt treten und das Angebot kann durch digitale Algorithmen statt durch analoges Kopfrechnen disponiert werden. In Prä-Digitalisierungszeiten war Mobility-on-Demand noch als Rufbus oder Anrufsammeltaxi bekannt und hatte einen simplen Ansatz: In Zeiten, in denen kein ÖPNV-Angebot bereitgestellt werden kann, werden auf Nachfrage kleinere Busse oder größere Taxis zur Verfügung gestellt. Die Angebotsdisposition, das heißt das smarte Bündeln der verschiedenen Nachfragen, fand auf dem Papier statt. Das hatte für den Nutzer lange Wartezeiten und für den Disponenten, der mit Stift und Papier ausgestattet war, einen enormen Aufwand zur Folge. Darüber hinaus waren keine kurzfristigen Anpassungen mehr möglich, wenn das Fahrzeug erst einmal seine Route angetreten hatte und die Reisenden ihre Abfahrtszeit kannten.

Nichtsdestotrotz hat dieses Angebot einen großen Schritt in Richtung eines flexiblen ÖPNV dargestellt, da dieser zumindest temporär anpassungsfähiger und unabhängig von festen Fahrplänen war. Letztendlich ist das Entlastungspotenzial für den Verkehr mit diesem Angebot aber begrenzt, da es nicht durchgängig bereitgestellt werden konnte, sondern vor allem zu bestimmten Tageszeiten verfügbar war. In den letzten Jahren wurde der Rufbus jedoch revolutioniert, je nach Angebot wird nun auch tageszeitenunabhängige Mobilität bereitgestellt. Heute funktioniert Mobility-on-Demand in kürzester Zeit und ohne großen Planungsaufwand: Über eine App gibt der Fahrgast den Fahrtenwunsch mit Start- und Zielort bekannt. Ähnlich wie bei einer Taxifahrt kommt das Fahrzeug innerhalb eines definierten Zeitraums zur Abholung. Im Hintergrund kombiniert und bündelt ein Algorithmus die aktuellen Anfragen optimal, sodass der Fahrgast sich die Fahrt mit weiteren Personen teilt. Diese sitzen vielleicht schon im Fahrzeug, steigen noch während der Fahrt dazu oder aus. Der On-Demand-Bus fährt daher nicht den kürzesten Weg für die einzelne Person, sondern den optimalen aus Gesamtnachfrageperspektive.

Die Grafik zeigt, wie ein potenzieller Mobility-on-Demand Pendelkreislauf, abgestimmt auf den ÖPNV, aussehen könnte: Wir verfolgen Anna, wie sie ihren Reisewunsch via einer App einträgt, sich ein Shuttle zum entfernten Bahnhof teilt und dann von dort mit dem ÖPNV in die Innenstadt zur Arbeit fährt. Im Büro gibt sie am Ende des Arbeitstags einen Fahrtenwunsch ein und die Reise kann erneut beginnen.

Mobility-on-Demand: Veränderungspotenziale oder Spielerei?

Mobility-on-Demand ist ein neues Angebot auf dem Markt. Seine Akzeptanz und Marktfähigkeit müssen sich erst beweisen. Aber einige Marktteilnehmer sind bereit, dieses Risiko zu wagen und mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen den Markt für Mobility-on-Demand zu erschließen. Während das Angebot von MOIA und CleverShuttle derzeit auf ein ÖPNV-unabhängiges Angebot setzt, sind der Berlkönig (ein Angebot der BVG und ViaVan) sowie die Angebote von ioki in den ÖPNV integriert, das heißt als komplementäres Angebot ausgelegt. Welche Angebote sich durchsetzen werden bleibt abzuwarten.

Studien zur Mobility-on-Demand-Nutzung in den USA haben gezeigt, dass die nicht-integrierten Angebote häufig zu einer Konkurrenz des ÖPNV werden. Die Nutzung bestehender Angebote, wie Bus und Bahn, ging zurück. Menschen, die also bisher ihre Strecke beispielsweise mit der U-Bahn zurücklegten, nutzen nun den Komfort eines verhältnismäßig günstigen taxiähnlichen Angebots. Die Auswirkungen auf Autofahrer dagegen waren gering.

Geht es jedoch darum, das Verkehrssystem einer Region als Gesamtes zu verändern und die Mobilitätswende voranzutreiben – das heißt, Staus und Emissionen zu reduzieren und die Multimodalität und den ÖPNV zu stärken –, dann sind dies ungeeignete Effekte. In kommunalen Strategien bietet es sich deshalb an, auf eine Integration der Mobility-on-Demand in den ÖPNV zu setzen, da so gesteuert werden kann, wo die Shuttles fahren. Das heißt, eine Stadt oder ein Verkehrsunternehmen wird zum eigentlichen Anbieter für Mobility-on-Demand und kann das Angebot an dem Ort bereitstellen, an dem es den ÖPNV ergänzt. Das kann zum Beispiel auf der ersten und letzten Meile in der Stadt sein.

Damit kommt eine revolutionäre Neuerung ins Spiel. Denn die neue Mobilität ist erstmals nicht nur ein Angebot für die Stadt, wo es leicht ist, neue Angebote zu implementieren und Business Cases abzuleiten. Auch für Kommunen im ländlichen Raum lohnt sich der Blick auf die Mobility-on-Demand, um die Versorgung der Region mit Mobilität sicherzustellen.

Der Business Case hinter Mobility-on-Demand

Grundsätzlich gilt: Städte und Ballungszentren können deutlich einfacher ein rentables Modell auf die Straße bringen, weil hier die Nachfrage dichter und größer ist. Unternehmen, die Mobility-on-Demand anbieten, tun dies deshalb am liebsten in Städten (wie es auch schon beim Car Sharing der Fall ist). Aus diesem Grund sind Städte der Vorreiter bei innovativer Mobilität.

In Zeiten von steigenden Mietpreisen und Wohnraummangel in Innenstädten dürfen jedoch periphere und ländliche Räume nicht vergessen werden. Anbieter werden diese Räume jedoch nicht im Alleingang bedienen können. Dafür ist die Nachfrage schlicht und ergreifend zu gering, der Business Case für ein gewinnorientiertes Unternehmen nicht vorhanden. Anders sieht es aus, wenn Verkehrsunternehmen, Stadt oder Kommune und Mobility-on-Demand-Anbieter an einem Strang ziehen, gemeinsam rentable Strecken identifizieren und ein Angebot schaffen, das zum Beispiel als Zubringer zum nächstgelegenen Bahnhof dienen kann.

Auch in Ballungszentren lohnt sich eine solche Überlegung, um erste und letzte Meilen abzudecken und eine Verkehrsverlagerung weg vom ÖPNV zu vermeiden. Bei integrierten Angeboten können Städte und Verkehrsunternehmen auf günstigere Tarife setzen als die Anbieter, die ausschließlich gewinnorientiert wirtschaften müssen. So haben sie eine Chance, eine marktfähige Mobility-on-Demand als Teil des ÖPNV bereitzustellen. Klar ist: Ein Business Case aus der Perspektive eines kommunalen Anbieters rechnet sich anders als aus Unternehmensperspektive. Während kommunale Anbieter für ihren Business Case die Räume identifizieren sollten, die nicht ausreichend vom ÖPNV abgedeckt sind, setzen Unternehmen eher auf Räume mit hoher Nachfrage. Wichtig ist für Kommunen und Verkehrsunternehmen auch: sie sind nicht auf sich allein gestellt. Der Markt gibt eine Auswahl von Anbietern her, die passende Algorithmen und die entsprechende Technologie bereitstellen können.

Mobility-on-Demand: Unser Angebot für Sie

Es klingt so einfach: Ein Verkehrsunternehmen oder eine Kommune sucht sich einen Algorithmus-Anbieter und schafft ein Mobility-on-Demand-Angebot. Fahrgäste stellen dann ihre Anfrage, der Algorithmus bündelt diese und liefert optimierte Routen – alles ganz automatisch. Und schon ist das neue flexible Mobilitätsangebot, das die bisherigen Angebote perfekt ergänzt, geboren. Aber Städte, Kommunen oder Verkehrsunternehmen, die sich entschließen, Mobility-on-Demand in ihr ÖPNV-Angebot aufzunehmen, müssen auf dem Weg dorthin eine Reihe von Herausforderungen meistern. Dazu gehören beispielsweise:

  • Strategische Vernetzung mit bestehenden Angeboten
  • Identifikation von Einsatzgebieten und Business Cases
  • Durchführung von Prozessanpassungen und digitale Transformation
  • Auswahl der passenden Anbieter
  • Förderung der Akzeptanz der örtlichen Akteure und Fahrgäste

Weil jede dieser Herausforderungen erfolgskritisch ist, unterstützt Q_PERIOR Sie gerne und geht diese mit Ihnen gemeinsam an. Wir sind überzeugt, dass IT und Organisation zusammen gedacht werden müssen. An dieser Schnittstelle arbeiten wir seit Jahren erfolgreich und begleiten Sie bei der Implementierung neuer Mobilitätsangebote. Mit unserem Vorgehen setzen wir auf die Einbindung dreier Perspektiven: Stakeholder und Umfeld, Kunde sowie Organisation und Betrieb.

Beim Thema Stakeholder- und Transformationsmanagements gibt es ein dreistufiges Erfolgsmodell. Der erste Schritt ist die Sensibilisierung mittels Mobilitätstagen und Informationsveranstaltungen. Es folgt im zweiten Schritt die aktive Einbeziehung der Kundenperspektive über Workshops, Umfragen und Beteiligungsverfahren. Schließlich kommt es zur gemeinsamen Umsetzung und damit zur Entwicklung eines integrierten Konzepts.

Mit unseren methodischen und technologischen Ansätzen führen wir diese Perspektiven zusammen. Dazu setzen wir auf ein integrierendes Stakeholder-Management, Methoden zur Analyse der Kundenperspektive, Expertise bei der Übertragung dieser Bedürfnisse in technische Strukturen sowie bei der Transformation und Implementierung der bestehenden Prozesse und Infrastrukturen.

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