Banking-Expertin im Interview: Veränderte Kundenanforderungen, Niedrigzinsphase & niedrige Cost-Income-Ratio

16. März 2020

Wir haben unsere Banking-Expertin Anne Kristin Kuttert gefragt, welchen Herausforderungen Banken derzeit gegenüberstehen und welche Maßnahmen sowie Prioritäten diese ergreifen und setzen sollten, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Sehen Sie sich jetzt das Interview an!

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Welche Herausforderungen sehen Sie derzeit im Bankenmarkt? Wie schneiden deutsche Banken im europäischen Vergleich ab?

Deutsche Banken sehen sich im Wesentlichen zwei Herausforderungen gegenüber:
Die erste Herausforderung ist die veränderte Kundenstruktur und stark veränderte Kundenanforderungen, die letztendlich auch dadurch hervorgerufen werden, dass eine neue Generation verstärkt Bankenprodukte anfragt. Die zweite Herausforderung besteht darin, dass wir uns nach wie vor in einer Niedrigzinsphase befinden, die sich aus meiner Sicht in den nächsten Jahren nicht wesentlich verändern wird. Dies sind Herausforderungen, welchen sowohl europäische als auch deutsche Banken gegenüberstehen. Die europäischen Banken haben im Vergleich zu den Deutschen eine deutlich niedrigere Cost-Income-Ratio, was im Umkehrschluss bedeutet, dass sich die deutschen Banken neu erfinden und letztlich ihre Kosten- und Ertragsstruktur deutlich optimieren müssen.

Was müssen Banken Ihrer Meinung nach nun tun, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein?

Damit deutsche Banken auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben, müssen sie aus meiner Sicht an vier Themenkomponenten arbeiten: Die erste Komponente besteht darin, sich mit dem Geschäftsmodell auseinanderzusetzen, die Geschäftsstrategie zu überdenken und sich letztendlich auf bestimmte Kundensegmente oder Produkte verstärkt zu fokussieren. Die zweite Komponente besteht darin, die Organisation und daraus folgend auch die Geschäftsprozesse zu optimieren, also zu überlegen, wie weit man Prozesse automatisieren und Kosten sparen kann und respektive Effizienzen hebt. Die dritte Komponente, um die man sich kümmern muss, ist die Größte und vielleicht auch Wichtigste. Sie besteht darin, sich mit den Daten auseinanderzusetzen, die Daten als Assets zu begreifen und die Auswertungsmöglichkeiten für die Daten letztlich zu verbessern und zu nutzen. Das bedingt dann letztlich auch eine Überarbeitung der IT- Infrastruktur, weil man die entsprechende Kapazität benötigt, um diese Daten auszuwerten. Last but not least, die vierte Komponente: Die Banken in Deutschland sollten sich überlegen, in wieweit sie regulatorische Spielräume verstärkt nutzen können, da sie im europäischen Vergleich sehr oft eine sehr enge Auslegung an den Tag legen und europäische Mitbewerber sich damit leichter tun.

Welche drei Themen würden Sie mit höchster Priorität bearbeiten und warum?

Ich würde folgende drei Themen mit höchster Priorität bearbeiten: Erstens, die Bank neu ausrichten und optimieren. Wir nennen diesen Vorgang „Rightsizing your Bank“, bei dem wir genau Effizienzen steigern und das Geschäftsmodell überdenken. Die zweite Komponente besteht darin, sich mit den Daten verstärkt zu beschäftigen und folglich Data Analytics oder auch Predictive Analytics zu nutzen, um das Maximum aus den Daten geschäftsbringend und gewinnbringend für die Bank herauszuholen. Das dritte Thema beinhaltet, sich zu überlegen, inwieweit man Dienstleistungen, Bankdienstleistungen oder auch Services in die Cloud bringen kann. Natürlich unter Berücksichtigung regulatorischer Anforderungen, um auch dort effizienter und kostengünstiger unterwegs zu sein.

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