Erweiterter Baukasten für die Enterprise-IT

Die digitale Transformation hat dazu geführt, dass der Baukasten eines Software-Architekten in der Enterprise IT deutlich erweitert worden ist. Der Grund liegt darin, dass insbesondere die nicht-funktionalen Anforderungen an die Enterprise IT ständig steigen. Viele Lösungsmuster der auf den Endkunden fokussierten Consumer IT werden in die Enterprise IT übertragen. Diese Veränderungen benötigen Software-Architekten mit einer Hands-On-Mentalität.

Time-To-Value
Innovative Geschäftsmodelle benötigen kurze Time-To-Value-Zyklen und schnelles Feedback durch die Kunden. Neue Software muss kontinuierlich in hoher Geschwindigkeit und in hoher Qualität ausgeliefert werden.

Usability
Anwender erwarten von modernen IT-Lösungen eine ähnlich gute Usability, wie sie es von ihren Apps aus dem Consumer-Bereich gewohnt sind. Ein ansprechendes, verständliches und effizientes User Interface trotz komplexer Technologien und Systeme im Hintergrund ist ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Connectivity
Die Umsetzung innovativer Geschäftsmodelle bringt eine höhere Vernetzung der Unternehmen mit sich und die Öffnung der Unternehmensprozesse für die API Economy. Dies bedingt die hybride Nutzung Cloud-basierter und on-premises Services und die Nutzung neuer Integrationsmuster.

Real-Time Analytics
Digitale Geschäftsprozesse erfordern es, den Zeitraum zwischen Datenerhebung, Datenanalyse und der Reaktion zu minimieren. Dafür ist, trotz massiv steigender Datenvolumen, ein kontinuierlicher Datenfluss notwendig. Neben internen Daten müssen große Datenmengen unterschiedlichster Struktur von externen Quellen wie Social Media in die Analysen miteinbezogen werden.

Hohe Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Kapazitätsbedarfe
Die neuen Geschäftsmodelle führen dazu, dass sich das Lastaufkommen, das Services abdecken müssen, öfter und stärker ändert. Um dies wirtschaftlich abbilden zu können, ist es notwendig, die bereitgestellten Ressourcen dynamisch anpassen zu können.

Unendlich skalierbar
Im Gegensatz zur vertikalen Skalierung sind der horizontalen Skalierung aus Sicht der Hardware keine Grenzen gesetzt. Statt teurer Spezial-Hardware kann Commodity-Hardware genutzt werden. Damit eine IT-Lösung die horizontale Skalierung optimal unterstützt, sind neue Architekturmuster entstanden.

Zero Downtime
Kunden von Firmen wie Amazon, Google oder Netflix kennen keine Wartungsfenster.
„In jeder Situation muss gelesen und gespeichert werden können, selbst wenn Festplatten versagen, Netzwerkverbindungen verrücktspielen oder Rechenzentren von Tornados zerstört werden.“ – Werner Vogels (amazon.com)

Weltweite Low Latency
Das Qualitätsbewusstsein der Kunden ist gestiegen. Die Kunden wollen die angebotenen Dienste weltweit nutzen. Sie erwarten schnelle Antwortzeiten, wie sie es aus dem Consumer-Bereich gewohnt sind – unabhängig davon wo sie sich gerade befinden.

Die folgende Abbildung zeigt den erweiterten Baukasten eines Enterprise-Architekten. Der Baukasten umfasst die Bereiche Architektur, Prozesse & Methoden, Technologie und Organisation.

Hands-On Mentalität ist gefragt

Um diesen erweiterten Baukasten als Architekt zu beherrschen, ist es erforderlich, dass der Software-Architekt in der Enterprise-IT sein Augenmerk nicht nur auf das Erstellen von Konzepten legt, sondern auch wieder mit Leidenschaft codieren sollte. Warum ist das so?

Es reicht nicht, sich die neuen Kenntnisse nur theoretisch anzueignen. In der Regel hat der Software-Architekt zuvor als Entwickler den etablierten Architekturkatalog der Enterprise IT handwerklich erlernt. Dieser Katalog ist für eine traditionell und sequentiell aufgestellte IT optimiert. Sicherheit, Struktur und Korrektheit stehen dabei im Vordergrund. Genauso wie der etablierte Katalog muss auch der erweiterte Architekturkatalog wieder handwerklich erarbeitet und die Fähigkeiten aktuell gehalten werden.

Ebenso wie die Software-Architektur entwickelt sich auch das Software-Engineering weiter. Neben Programmierstilen wie der imperativen und objektorientieren Programmierung setzt sich zunehmend die funktionale Programmierung durch. Mit dem Stil der funktionalen Programmierung lässt sich der Code lesbarer und damit wartungsfreundlicher schreiben.

Insbesondere im Real-Time Analytics Bereich sind völlig neue Ökosysteme entstanden, wie z.B. Hadoop. Dieses umfangreiche Ökosystem setzt die horizontale Skalierung um und stellt Lösungen für Streaming-Architekturen bereit.

Durch die agile Entwicklung löst sich die Rollentrennung zwischen Architekt und Entwickler teilweise auf. Das Vorgehen, dass eine Person Konzepte schreibt und andere diese umsetzen, funktioniert im agilen Umfeld nicht. Das ganze Team trifft zusammen Architekturentscheidungen und muss diese mittragen.

Techniken wie Pair Programming sind eine wichtige Methode, um als Architekt die Konzepte zusammen mit dem Team zu erproben und das Wissen zu verteilen.

In agilen Großprojekten werden übergreifende Architekturentscheidungen oft in Communities of Practice getroffen und erprobt, z.B. in Form von Spikes.

Fazit

Durch die digitale Transformation sind die Lösungsansätze aus der Consumer IT in die Enterprise IT übernommen worden. Daher hat sich der Baukasten eines Software-Architekten aus der Enterprise IT deutlich erweitert. Daneben haben sich die Zusammenarbeitsmodelle für Software-Architekten verändert. Diese Veränderungen benötigen Hands-On Software-Architekten, die wieder mit Spaß in die Tasten greifen.

Autor: Ralph Graf

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6. November 2018|