Olympia & COVID-19: Die Veränderungen für Q_PERIOR Segelteam

12. Mai 2020

Die Olympischen Spiele sind offiziell um ein Jahr auf 2021 verschoben worden. Q_PERIOR unterstützt das Olympia-Segelteam Nadine Böhm und Ann-Christin Goliaß des Vereins „Deutscher Touring Yacht-Club“ in Tutzing. Die beiden starten in der Bootsklasse 470. Nadine ist die Steuerfrau im Team, Ann-Christin ist Vorschoterin. Im Interview mit Q_PERIOR erzählen sie über Ihre Erlebnisse vor und während dem Lockdown.

Wie habt ihr die Wochen erlebt, in der über eine mögliche Absage und Verschiebung diskutiert wurde? Und wie geht es euch jetzt mit der endgültigen Entscheidung?

Anfang März haben wir uns noch intensiv auf unsere Weltmeisterschaft in Palma de Mallorca vorbereitet. Vier Tage vor dem Start der ersten Wettfahrt wurde nach dem Worldcup in Genua auch die Princesa Sofia und unsere WM abgesagt. Wir entschieden uns, wie auch viele andere internationale Teams, in Palma zu bleiben und zu trainieren.

Am folgenden Freitagmittag erreichte uns (am Morgen hatten wir noch trainiert) beim Mittagessen die Nachricht, dass Spanien einen Shutdown plant und alle Häfen geschlossen werden. Wir wurden aufgefordert, so schnell wie möglich unser Material zusammenzupacken und die Fähre aufs Festland zu nehmen. Innerhalb von 6 Stunden bauten wir unsere beiden Boote ab, verluden den Hänger, räumten unser Apartment aus und buchten sowohl unsere Flüge als auch die Fähre. Unser Trainer nahm mit unseren Schiffen die Nachtfähre nach Barcelona. Wir flogen am Samstag nach Hause. Die Situation war völlig surreal für uns und wir konnten nicht glauben, was diese 48 Stunden für eine Wendung genommen hatten. Sport und alles was damit zusammenhängt, wird schlagartig zur Nebensache, Familie und Gesundheit sind das, was wirklich zählt.

Die letzten Wochen haben wir dann beide zu Hause bei unseren Familien verbracht. Nadine in Bayern und Ann-Christin in NRW. Wir haben immer versucht, auf dem neuesten Informationsstand bezüglich der Verschiebung der Olympischen Spiele zu sein. Es gab auch eine Videokonferenz des Deutschen Olympischen Sportbundes, in der wir Fragen stellen konnten und Unsicherheiten, so weit wie eben möglich, aus dem Weg geräumt wurden. Wir sind mit der Einstellung an die Sache gegangen, dass wir die Situation so annehmen werden wie sie kommt. Die Festlegung der Verschiebung der Spiele auf den Sommer 2021 macht es uns wieder leichter, Dinge zu planen und gibt uns Stabilität. Wir gehen absolut mit der Entscheidung, dass es in diesem Sommer nicht möglich gewesen wäre, Olympische Spiele abzuhalten. Von daher geht es uns sehr gut mit der Entscheidung.

Welche Auswirkungen und Konsequenzen hat die Verschiebung nun auf eure Leben und vor allem auf eure Vorbereitungen?

Wir sehen die Verschiebung als eine positive Sache. Wir haben ein Jahr länger Zeit, uns auf die Olympischen Spiele vorzubereiten. Wir arbeiten seit Anfang des Jahres mit unserem Landestrainer Robert Remus und nicht mehr mit dem Bundestrainer zusammen. Wir haben jetzt noch mehr Zeit bekommen, uns als Team noch besser zusammen zu finden und an entdeckten «Baustellen» zu arbeiten. Darüber hinaus ist unsere Bootsklasse nur noch bei diesen Olympischen Spielen vertreten und wird danach aus dem Programm genommen. Das bedeutet für uns, dass wir nach den Olympischen Spielen in Tokyo in der Konstellation nicht mehr weiter machen können. Durch die Verschiebung haben wir noch ein Jahr länger zusammen und noch mehr Zeit für die Vorbereitung. Wir können an Kleinigkeiten in der Abstimmung und Technik arbeiten, für die bei Abhaltung der Spiele im Sommer 2020 keine Zeit mehr gewesen wäre. Für unser Leben bedeutet es, dass wir uns auf jeden Fall noch ein Jahr länger mit voller Leidenschaft und Enthusiasmus dem Sport widmen werden.

Das ganze gesellschaftliche Leben ist in Deutschland auf Grund der COVID-19-Krise stark beeinträchtigt. Wie wirken sich die Beschränkungen auf das Training aus, wie hat es sich verändert?

Derzeit können wir leider nicht aufs Wasser gehen und dort trainieren. Das bedeutet, dass wir starke Einschränkungen in unserem Trainingsalltag haben auch auf Grund der Tatsache, dass die Häfen geschlossen sind. Wir nutzen allerdings die Zeit für unser Athletiktraining. Selbstverständlich findet es zu Hause statt, aber wenn man seiner Kreativität freien Lauf lässt, gibt es doch eine Menge, das man machen kann. Darüber hinaus planen wir gerade die weiteren Monate. Den Kontakt zum Segeln halten wir über Taktikbücher und Videos von Trainingseinheiten.

Könnt ihr uns einen Einblick geben, wie euer Trainingsalltag nun aussieht?

Wir hoffen sehr, dass wir ab Mitte Mai wieder in Kiel trainieren können. Wie schon gesagt, gestalten wir unser Training derzeit von zu Hause aus. Wir sind beide bei unseren Familien.

Der Fokus liegt auf Athletiktraining, also zwei Einheiten am Tag. Dazu kommen noch Theorieeinheiten. Wir lesen segelspezifische Bücher und analysieren alte Trainingsvideos, um in der Materie zu bleiben. Wir versuchen die Zeit so gut wie nur irgendwie möglich zu nutzen. Darüber hinaus können wir Dinge abarbeiten, die wir in den letzten Monaten auf Grund von Zeitmangel immer aufgeschoben haben. Langeweile gibt es bei uns nicht, auch wenn wir kein Wassertraining durchführen können.

Wie haltet ihr Kontakt mit eurem Trainer und euren Sport-Kollegen? Ist das Kaderzentrum in Kiel auch komplett geschlossen?

Mit unserem Trainer Robert Remus stehen wir in sehr engem Kontakt und wir beide sowieso untereinander. Wir schreiben und telefonieren viel. Darüber hinaus stehen wir Segler untereinander sehr viel über WhatsApp in Kontakt.

Da wir seit Anfang des Jahres nicht mehr dem Bundeskader des Deutschen Segler Verbandes angehören und unsere Olympia-Kampagne abseits des Verbandes durchziehen, wissen wir nicht genau, wie die Lage derzeit am Stützpunkt in Kiel ist.

Wie plant ihr das weitere Wettkampfjahr? Finden Wettkämpfe statt?

Wie genau die Wettkampfplanung im Jahr 2020 aussehen wird, steht noch nicht fest. Wir hoffen sehr, dass die Wettkämpfe im September wieder anfangen. Unsere Europameisterschaft ist für Ende September angedacht und unsere Weltmeisterschaft für Mitte Oktober. Leider lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts Genaueres planen. Wir hoffen, wie schon erwähnt, dass wir Mitte Mai wieder in Kiel aufs Wasser gehen und trainieren können. Die ersten Monate werden wir vermutlich in Deutschland bleiben und beobachten, wie sich die Lage entwickelt. Es wäre sehr schön, wenn wir ab Ende Juli/ Anfang August uns wieder mehr in Richtung Süden von Europa begeben könnten und auch wieder mit unseren internationalen Trainingskollegen trainieren können.

Auf Grund der Corona Krise hat in unserer Bootsklasse auch noch keine interne Ausscheidung für die Olympischen Spiele stattgefunden. Sie sollte aber, immer Gesetz des Falles, dass Wettkämpfe stattfinden, bis Ende des Jahres beendet sein.

Wo seht ihr Vorteile, wo Nachteile durch die Verschiebung der Spiele?

Ein Vorteil ist definitiv, dass sich die Corona Situation hoffentlich etwas entspannt und die Welt hoffentlich schon Zeit hatte, sich von der Pandemie zu erholen, bevor die Olympischen Spiele im Sommer 2021 anfangen. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir noch ein Jahr länger Zeit haben, uns vorzubereiten und zu trainieren. Wir haben zu Anfang des Jahres durch die neue Zusammenarbeit einen Leistungssprung gemacht und vor allem wieder zu alten Stärken gefunden. Diese können wir jetzt in der dazugewonnenen Zeit festigen und verinnerlichen.

Zu den Nachteilen gehört zum einen die Ungewissheit, über die Situation in Japan. Es sollten nachhaltige Spiele werden und viele Dinge wie beispielsweise das Olympische Dorf sind bereits nach dem Sommer 2020 verplant. Darüber hinaus gibt es eine Menge Teams, die sich entschieden haben aufzuhören und das Jahr nicht mehr anhängen. Zusätzlich ist die finanzielle Komponente nicht außer Acht zu lassen. In der jetzigen Lage ist es sehr schwer einzuschätzen, was die Pandemie in dieser Hinsicht für uns Sportler bedeutet.

Alles in Allem freuen wir uns sehr auf das kommende Jahr, das uns jetzt bevorsteht und hoffen, dass wir so schnell wie möglich wieder aufs Wasser gehen und trainieren können. Bis dahin wünschen wir allen viel Gesundheit und Durchhaltevermögen!

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